Grundschule Hitzacker

 

Konzept zur Arbeit im inklusiven Kontext an der Grundschule Hitzacker Dezember 2016

 

 

Aufgrund der gesellschaftlichen Veränderungen in den letzten Jahren und zunehmend seit der Einleitung der Umsetzung der UN-Konvention zur Inklusion in den Schulen beschäftigen wir uns noch tiefgründiger mit der Machbarkeit der Ausgestaltung der täglichen Arbeit im inklusiven Zusammenhang. Die zentrale und schwierige Frage in unserem Alltag, wie es gelingen kann, die Teilhabe aller Kinder zu erhöhen und die Benachteiligung und Diskriminierung zu verringern, war die Grundlage für eine lange und ausführliche Auseinandersetzung mit diesem Thema an unserer Schule. Eine Überarbeitung des bisherigen „Integrationskonzeptes“ wurde unausweichlich.

Das vorliegende Konzept ist aus dieser Diskussion entstanden und wurde gemeinsam mit allen an der schulischen Arbeit beteiligten Personen erarbeitet. Die Aufgaben für alle Ebenen, von der Schulbegleitung über die Schulsozialarbeit bis hin zum unterrichtlichen Handeln der Regel- und Förderschullehrkräfte sind beschrieben. Ebenso wurden Standards im täglichen Umgang miteinander festgelegt und spezielle Bereiche des Unterrichts mit Maßnahmen unterlegt. So ist gewährleistet, dass jeder hier an der Schule weiß, welches seine Aufgabenbereiche sind und wie sie erfüllt werden sollen. Auf der Grundlage gemeinsamer Absprachen und Vereinbarungen kann so die Zusammenarbeit im Sinne der Kinder optimal gestaltet werden.

Da die inklusive Arbeit ein Teil des Schulentwicklungsprozesses ist, unterliegt sie selbstverständlich neben den geschaffenen Standards und Strukturen einer kontinuierlichen Reflexion und Weiterentwicklung. Eine Evaluierung dieses Konzeptes wird jährlich auf den schulinternen Fortbildungen erfolgen und notwendige Anpassungen ermöglichen.

 

 Aufgabenübersicht LK und FÖS

 

Aufgaben

Aufgabenbereiche in vorrangiger Verantwortung der LK der GS Hitzacker

Aufgabenbereiche in vorrangiger Verantwortung der sonderpädagogischen LK

1. Unterricht

- Methodenvielfalt

- Klassenklima

- Planung und Durchführung

- Differenzierung für L-Kinder (soweit wie möglich integrieren)

- Differenzierung für alle soweit wie möglich planen

- notwendiges und angemessenes Material bereitstellen

- Pläne für G-Kinder in Anlehnung an Plan der LK für die Klasse (z.B. Wochenplan)

- unterrichtsbegleitende Maßnahmen am Kind

- Fördermaterial mit gestalten und liefern

- Assistenz im Unterricht zur Unterstützung der Lehrkraft

 

- Teamteaching nach gemeinsamer Planung und Absprache so oft wie möglich

- Gestaltung und Füllen individueller Arbeitsmappen für Differenzierung einzelner Kinder

2. Diagnostik

- vorschulische Diagnostik (mit Kita)

- Materialsammlung

- Dokumentation der Lernergebnisse von einigen Schülern

- Leistungserfassung (allgemein)

- Beobachtung (Dokumentation)

- vorschulische Diagnostik bei ES/G – Verdacht (nach Beauftragung)

- Beobachtung (Dokumentation)

 

- Führen der ILE-Bögen, Erstellung von Förder-/Forderplänen bei auffälligen ILE-bögen

- Austausch der Beobachtungen, gemeinsame Festlegung weiterer Maßnahmen

3. Prävention/Förderung

 

- Führen der ILE-Bögen

- Förderstunden/Forderstunden

- Visualisierung, geeignetes Material

- Methodenvielfalt, Beobachtung

- RIK-Stunden (auch Einzelförderung)

- Arbeit am Kind

- Beobachtung und geeignetes Material

 

Förderpläne/Forderpläne führen und besprechen (2x Jahr, realistische Ziele und Aufgaben)

4. Beratung

- Organisation

- Einladung, Protokolle

- Lehrer

- bei Förderplänen

- Eltern, Schulbegleitung, Familienhilfe u.a. bei Elternsprechtagen und Einzelgesprächen

- zu ILE-bögen

- Institutionen

- gemeinsame Dienstbesprechungen, SCHILF

5. Vernetzung

- Hauptkontakt für Eltern und Institutionen

 

- Führen von Gesprächen mit Eltern (Förderplangespräche, Elternsprechtag …)

- Einbindung von Schulsozialarbeit, Beratungslehrerin, Schulbegleitung

- Kooperation mit Kindergärten und wf. Schulen

- Führen von Gesprächen mit Ärzten, Therapeuten, Sozial- und Jugendamt, Familienhilfe

6. Organisatorische Aufgaben im Schulalltag

- classroom management

- Klassenbuchführung

- Klassenleitung

- Organisation und Durchführung von

 Klassenfahrten und Ausflügen

- Listenführung

- Einweisung der Schulbegleitung

- für Ordnung und Material in der Klasse sorgen (Aufsichten, Bestellungen …)

- Unterstützung je nach Stundenanteil in der Klasse

- für Ordnung und Materialsammlung im Förderraum sorgen

 

- für Bestückung des Vertretungsordners sorgen

7. Leistungserfassung/Leistungsbewertung

- Notengebung

- Führen von Notenlisten

- Erstellung und Korrktur von Tests

- Zeugnisse

- Bewertung für L/G Kinder

- Vorbereitung differenzierter Tests

- individuelle Hilfestellung

- Zeugnisse für L/G Kinder

 

 

 

 

Entwicklung der Bereitschaft, den Unterricht aufgrund von Rückmeldungen der Teamkollegen zu verändern

  

An der Grundschule Hitzacker sind wir offen dafür, neue Dinge auszuprobieren und flexibel in der weiteren Gestaltung des Unterrichts. Wir geben uns regelmäßig Rückmeldungen zum Unterricht.

 

 Das erfordert folgende Maßnahmen:

  

Was? und Wie?

Wer?

Wann?

Wertschätzender und respektvoller Umgang miteinander

KL/FL + FÖS-L+

Schulbegleitung

zu jeder Zeit

Austausch auf Sachebene und Entwicklung gemeinsamer Maßnahmen

KL/FL + FÖS-L +Schulbegleitung

nach Bedarf

nach erfolgten Hospitationen

nach gemeinsamem Unterricht

Planung von Zeitfenstern

KL/FL + FÖS-L +Schulbegleitung

nach Absprache

 

 

Optimierung der Anwesenheit aller Erwachsenen im Unterricht

An der Grundschule Hitzacker wird die Anwesenheit aller Erwachsenen im Unterricht so sinnvoll wie möglich genutzt.

Das erfordert folgende Maßnahmen:

  

Was? und Wie?

Wer?

Wann?

Optimierung der FÖS-L-Stunden, damit die FÖS-L. nicht in Fächern wie z.B. Textil, Musik usw. anwesend sind

Schulleitung der GS/ Schulleitung der FÖS

Regelschullehrer, FÖS-Lehrer

 

vor Schuljahresbeginn bei der Stundenplanung beachten

Fest verabredete Zeiten der Teambesprechung zwischen Regelschullehrer, FÖS Lehrer und Schulbegleitung, die in der Klasse tätig sind.

Zeit und Ort werden der Schulleitung mitgeteilt.

KL/FL + FÖS-L +Schulbegleitung

und Jahrgangsteam

 

 

 

KL/FL/ FÖS Lehrer

mindestens 2 mal pro Monat

feste Termine

 

 

 

zu Beginn des Schuljahres

Für die Treffen der Teams wird

Folgendes benötigt:

 

-          Raster für Unterrichtsplanung, in dem der Personaleinsatz fest verankert ist (siehe Anhang)

-          Bei der Raumplanung für den Nachmittagsunterricht muss darauf geachtet werden, dass die Räume für die Besprechungen (Klassenräume), nicht besetzt werden

-          Die an den Teamsitzungen beteiligten Lehrer dürfen an dem / den Tagen der Teamsitzung nicht in den Nachmittagsunterricht eingebunden werden

-           

-          Der Reinigungsdienst sollte nach Möglichkeit erst nach 15.15 Uhr mit der Reinigung beginnen

 

 

 

Regelschullehrer/FÖL Lehrer

 

 

 

 

 

Schulleitung

 

 

 

 

Schulleitungen der Regelschule/Förderschule



Schulleitung/Samtgemeinde

 

 

 

durchgängig

 

 

 

 

 

vor Planung GTS-Belegung

 

 

 

 

zu Schuljahresbeginn

 

 

 


nach Absprache mit SG und Planung der GTS

In den Teamsitzungen werden folgende Punkte regelmäßig besprochen und durchgeführt:

-          Unterrichtsvorhaben werden mit FÖL-Lehrern, Fachlehrern in Deutsch, Mathematik und Sachunterricht besprochen.

-          FÖL Lehrer modifizieren und differenzieren die Unterrichtsmaterialien für Gutachtenkinder und, wenn erforderlich, für Kinder mit einem Nachteilsausgleich, dies gilt auch für Klassenarbeiten

-          Es wird darauf geachtet, dass besonders in den RIK Stunden frontale Einführungsphasen nicht stattfinden.

 

 

 

 

 

 

 

 

FÖL Lehrer, Fachlehrer, Schulbegleitung werden in Kenntnis gesetzt und ggf. eingewiesen

 

 

 

 

 

 

 

 

z.B. zweimal pro Monat

 

 

Installation von Planungs- und Koordinationszeiten für das Team

 

An der Grundschule Hitzacker arbeiten wir im Team und treffen eigenständig Absprachen zu gemeinsamen Planungs- und Koordinierungszeiten. Diese werden dokumentiert.

Das erfordert folgende Maßnahmen (die Entscheidung, welche Maßnahmen angewandt werden, erfolgt flexibel, ist aber der SL mitzuteilen):

  

Was? und  Wie?

Wer?

Wann?

Telefonische Absprachen

KL/FL + FÖS-L+

Schulbegleitung

individuell

Gespräche in vorher festgelegten großen Pausen

KL/FL + FÖS-L +Schulbegleitung

wöchentlich nach Bedarf

Gespräche in gemeinsamen Freistunden

Schulleitung

 

KL/FL + FÖS-L +Schulbegleitung

 

Planung vor Stundenplanerstellung

Durchführung wöchentlich

Gespräche in der unterrichtsfreien Zeit

KL/FL + FÖS-L+

Schulbegleitung

wöchentlich zu festen Zeiten

Planungszeiten in den Ferien

KL/FL + FÖS-L

 

Ferien (nach Bedarf und interner Festlegung im Team)

Präsenzzeit

KL/FL + FÖS-L

 

Festgelegter Wochentag

 

 

 

Teamteaching als Möglichkeit gemeinsamer Reflektion der Lernprozesse von Schülerinnen und Schülern

 

An der Grundschule Hitzacker werden die Lernprozesse von Schülerinnen und Schülern gemeinsam reflektiert.

Das erfordert folgende Maßnahmen:

  

Was? und Wie?

Wer?

Wann?

mündliche und schriftliche Lernzielkontrollen

KL/FL + FÖS-L

Schulbegleitung zur Kenntnis

in Planung, Durchführung und Auswertung

Förder- und Forderpläne erstellen und evaluieren

KL/FL + FÖS-L +Schulbegleitung + Schulsozialarbeit

mindestens 2x im Jahr

mündlicher Austausch

KL/FL + FÖS-L +Schulbegleitung + Schulsozialarbeit

im Anschluss an Unterrichtsphasen

 

 

Standards für die gemeinsame Arbeit von Schulbegleitungen, päd. Mitarbeitern, Schulsozialarbeiter/in, Lehrkräften

 

1. Wir legen Zeiten für Absprachen und Austausch fest und nutzen diese effektiv.

Ø Wir= Klassenlehrer/in und Schulbegleitung

Ø Wir (s.o.) plus Förderlehrerin bei Bedarf – Klassenlehrer/in koordiniert Termin

Ø Einmal im Monat (vgl. Seite 3 des Konzeptes „Die Arbeit im inkl. Kontext“)

Ø Meldung an Schulleitung (s. Seite 3 des genannten Konzeptes), um Termine, Arbeitszeiten und Räumlichkeiten zu koordinieren und ggf. Entlastung zu schaffen

Ø Vor- und Nachbereitung der Förderpläne jeweils im Quartal, d.h. zwischen den Ferien (s. Förderkonzept)

Ø Wir treffen und beraten uns in ruhiger und ungestörter Atmosphäre.

 

2. Wir geben uns gegenseitig Unterstützung und wertschätzende Rückmeldung

Ø Ja, auf Augenhöhe, indem wir in ständigem Kontakt bleiben.

Ø Ja, dabei ist professionelle Kritik/positive Kritik erwünscht – in beide Richtungen

Ø Ja, im monatlichen Gespräch (s. Pkt. 1) mit möglichen Rückmeldungen wie:

·         Mir hat gut gefallen ….

·         Gut gelaufen ist …

·         Nicht so gut war …

·         Problematisch ist (für mich) …

·         …

Ø Ja, indem wir gegenüber den Schülern/der Klasse Ansagen und positive Rückmeldung über Aufgaben und Einsatz der Schulbegleitung UND Lehrkraft (gegenseitig) geben

 

3. Wir ziehen an einem Strang und zeigen das durch ein einheitliches Handeln

Ø Förderplan ist Grundlage

Ø Durch vorherige Absprachen (s. Pkt. 1), ggf. bei Unklarheiten nachfragen

Ø  (Kurz vor dem Unterricht) Austausch über aktuelle Geschehnisse, ggf. auch bei Lehrerwechsel

Ø Grundsätzliche Infos über das zu begleitende Kind sind in Kurzform verschriftlicht (s. Pkt. 1, nicht explizit Förderplan, kein Fließtext) und stehen für den Vertretungsfall in der jeweiligen Klasse des Kindes zur Verfügung. („Steckbrief“) s. Anlage (Steckbrief von awocado)

 

4. Wir geben den Kindern so viel Hilfe wie nötig und so wenig Unterstützung wie möglich, um sie auf dem Weg in die Selbstständigkeit zu unterstützen.

Ø Arbeitsverträge, Aufgabenbeschreibung der Arbeitgeber (s. Anhang)

Ø Pausen: Aufsicht (Fö-Plan), Gestaltung, individuelle Lösungen

Ø Lehrkraft gibt Anweisungen für ALLE, Schulbegleitung unterstützt das Kind

Ø „Ablenkung“ der I-Kindes und der übrigen S durch Nebentätigkeit der Schulbegleitung vermeiden

Ø andere Aufgaben für Schulbegleitung, wenn Kind alleine zurechtkommt/zurechtkommen soll: Zuteilung, Ziele …, „frei“

 

5. Wir sind uns unseren Rollen bewusst und üben professionelle Distanz

Ø Klare Ansagen/Vorgaben vom Träger vor Aufnahme der Begleitung

Ø Lehrkraft ist in jedem Falle „Chef“ für alle in der Klasse, kann eine andere Rolle der Schulbegleitung übertragen

Ø Als Klassenlehrer/in unterstreiche ich die Aufgaben/Aufgabenbereiche, „Grenzen“ der Schulbegleitung gegenüber der Klasse/allen Kinder und schaffe Transparenz und emotionale Sicherheit

Ø Transparenz/Deutlichkeit nach außen, z.B. gegenüber ALLEN Eltern

Ø Aufsicht übernimmt Schulbegleitung als erwachsene Person, wenn LK für die Klasse oder einzelne Kinder Dringendes zu erledigen hat

Ø Alle schulischen Inhalte und Vorkommnisse sowie persönliche Belange bleiben in der Schule

Ø Professionalität der Schulbegleitung nutzen (Blickwinkel in der Klasse/Ausbildung/Erfahrung/ …)

 

6. Wir wählen im Unterricht den richtigen Moment für Absprachen.

Ø Wenn LK das I-Kind als Kind der Klassengemeinschaft sieht (s. Pkt.4), sollten Absprachen im Unterricht eine Ausnahme sein, weil sie jedes einzelne Kind im Blick hat. (Ausnahmen: ggf. Autisten, Asperger, Erkrankung)

 

7. Wir respektieren hauptsächlich die Einführungsphasen als Ganzes.

Ø Lehrkraft muss Einführung für ALLE Kinder machen – „Lernen am gemeinsamen Gegenstand = Inklusion“ (Erlass/Schulgesetz)

Ø Einbeziehung der Schulbegleitung durch best. Aufgaben

Ø Ablenkung/Störung durch Schulbegleitung/Förderkräfte/Lehrkräfte sollten vermieden werden

 

Entfällt, ggf. in einem Jahr noch einmal überprüfen:

8. Wir vereinbaren Zeichen für die nonverbale Kommunikation untereinander, um den Lernprozess nicht zu unterbrechen.

 

 

 

 

Hitzacker, 24.11.2016